
Baustelle!
Frauen in Online-Communities – ob sie dort flirten wollen oder nicht- bekommen meistens zwei typische Arten von Mails: Fickangebote (überwiegend älterer oder assiger) Männer, sowie freundliche Hinweise anderer Frauen, dass sie mit derart aufreizenden Fotos auch nichts besseres verdienen.
Solche Tugendwächterinnen tauchen nicht nur einzelnd auf, sondern auch in Gruppen, wo sie über fremde Profile lästern und neue Anschläge planen.
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Solche Psycho-Terroristinnen beziehen sich aber eher selten auf Bibel oder Koran, sondern halten sich für Antisexistinnen und Antilookistinnen, für die militante Speerspitze des antipatriarchalen Kampfes. Dass sie dabei jahrhundertealte patriarchale Ausgrenzungsformen reproduzieren, will ich in diesem Artikel zeigen.
- Wir beobachten hier offensichtlich einen Fall von heterosexuellen Konkurrenzverhalten. Während bei Jungs die jenigen, die nicht genügend Stärke repräsentieren schnell als schwul gelten, grenzen Frauen sich gegenseitig vor allem über den Begriff der Schlampe aus. Ausgrenzen woraus? Aus der richtigen Weiblichkeit.
Ein Modell, das analog zu Conell verschiedene daraus erwachsende Statusgruppen innerhalb von Weiblichkeit unterscheidet gibt es meines Wissens nach noch nicht. Gibt es sowas? (Habenwollen!)
Zwei Punkte halte ich dabei für wichtig:
1. Unter Frauen läuft die Ausgrenzung viel stärker über den Körper, als unter Männern, wo der Schwerpunkt recht eindeutig auf hektischen (hexischen?!?) KörperVERHALTEN zur Statusrepräsentation liegt. Status im Freundeskreis, Gesellschaftlicher Status, Stärke,
2. Aus der christlichen Tradition haben wir die Unterscheidung Heilige-Hure geerbt. Das ist erstmal eine ganz explizit patriarchale Unterscheidung zwischen einer guten Mutter/Ehefrau und einer schlechten Mutter/Ehefrau. Auf der heiligen Seite der Form finden wir also die traditionellen Inklusionsrollen. (vgl. Marx: „Die bürgerliche Ehe ist die Gemeinschaft der Ehefrauen.“) Der Katholizismus hat ein rein männliches Pantheon. JHVH, Jesus und der (zeugungsfähige) heilige Geist, spiegelten weibliche Welterfahrung nur sehr begrenzt wieder. Die wesentlichen weiblichen Nebenrollen des neuen Testaments (Warum gab es eigentlich keine Jüngerinnen? … Wahrscheinlich mussten sie auf die Kinder aufpassen…) sind die heilige Mutter Gottes Maria und die Hure Maria Magdalena. Letzterer wusch Jesus die Füße, erstere musste den kleinen Jesus wohl einige Male waschen… Maria wird im Christentum nun wachsende kultische Bedeutung zuteil. Das hängt nicht zuletzt mit der Kopplung der Organisation Kirche an das römische Imperium zusammen. Die Kirche bekämpfte die angestammten Religionen besetzter Gebiete vor allem auf der Ebene der Semantik. Ihre rituelle Form wurde weitestgehend erhalten, die Inhalte dagegen wurden radikal christianisiert. Jede fremde Muttergöttin wurde zu Maria, der unbefleckten Jungfrau umgedeutet und zahlreiche Marienfeste erdacht. Interessant ist auch, dass der Marienkult für männliche Katholiken bis heute eine vergleichsweise untergeordnete Rolle spielt.
Maria ist unbefleckt. Sie repräsentiert mütterliche Liebe im Gegensatz zur (sündhaft) erotischen Liebe. Der weibliche Körper wird in seiner Gebärfunktion geheiligt und in seiner sexuellen Funktion verdammt, wenn nicht invisibilisiert. Letzteres schließt an ersteres an: Wo Schwulsein eine Krankheit ist, ist halt keiner krank. Wo Lust verboten ist, müssen andere Kategorien der semantischen Verarbeitung an ihre Stelle treten.
Von Geistlichen einmal abgesehen kamen aber auch Christen nicht darum herum, sich körperlich zu vermehren. Wie kann das funktionieren, wenn Frauen keinen Sex wollen dürfen und auch Männer zur Enthaltsamkeit aufgefordert sind?
Hier kommt der weibliche Körper in seiner Rolle als Medium der Begierde zum tragen. Die Unterscheidungen (Kind)Jungfrau/Ehefrau(Alte), sowie sexy/unsexy müssen symbolisch in ihm eingeschrieben werden damit Männer zu einer Unterscheidung IchFickDieAlte/IchFickDieAlteNicht gezwungen werden.
Das klingt erstmal nach einem großen Machtüberschuss auf Männerseite, ist aber nicht zwangsläufig so. Frauen sind schließlich nur solange moralisch achtbar, solange sie auf der heiligenseite der Heilige/Hure-Differenz verbleiben. Solange Heiraten über die Familie arrangiert werden ist das kein großes Problem: Jungfrauen sind keusch (oder Nutten) und Ehefrauen sind Mütter. Werden Paarbildungen dagegen über Liebe gesteuert, wird körperliche Attraktivität (die schließt auch symbolisierungen von Gruppenzugehörigkeit mit ein) bedeutsamer. Der Mann muss nun entscheiden, welche Jungfrauen er attraktiv findet und es diesen signalisieren. Außerdem muss seine künftige Ehefrau eine achtbare Frau sein. Die daraus erwachsende Unwahrscheinlichkeit wird durch mehr oder weniger durchritualisierte Flirttechniken programmiert. Diese unterscheiden sich freilich nach Ständen.
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Das seltsame ist warum so viele (fast alle) Frauen so denken, während es Männern meist ziemlich egal ist, dass sie nicht wie Arnold Schwarzenegger aussehen…
Eine lustige Konsequenz ist ja, dass 90% der Frauen auf Seiten wie abgefuckt auf ihren Fotos schlanker aussehen als in echt. Dadurch schaffen sie eine selbsterfüllende Prophezeiung, dass sie beim ersten Date zu fett wirken, was wieder die Selbstwahrnehmung bestätigt…
Aber ist ja auch klar, warum:
Maenner unterlagen nie einem gesellschaftlichen druck gut auszusehen weil sie sich durch andere eigenschaften hervortuhen mussten.
Fuer Frauen war das nicht so einfach, von ihnen wurde verlangt gut auszusehen und sich ansonsten zurueck zuhalten. Das ist heute natürlich eine Tradition, die man annehmen oder ablehnen kann… Sie wird aber wie man sieht von den meisten Frauen angenommen… Das liegt daran, dass sie auch Vorteile hat… Sie erleichtert Flirt und Partnerwahl, indem sie die Relevanz des Körpers steigert. Der Körper ist dann Statussymbol und Kommunikationsmedium, was er bei Männern so nie werden kann.
Männer sollen Sex mit Frauen wollen
Wenn das erfüllt ist, dann sollen sie gewollt werden.
Frauen sollen von Männern gewollt werden.
Wenn das erfüllt ist, dann sollen sie auch Sex wollen.
ALD, HSHS